Eine Liebe fürs Leben
Keine Destination hat treuere Anhänger als die italienische Adria - und das wird auch so bleiben

Bunte Sonnenschirme, Batterien von Liegestühlen und die gellende Stimme des Kokosnussverkäufers, der ab zehn Uhr morgens seine in Wasser eingelegte »cocobello« feilbietet: Das ist die italienische Adria im Hochsommer.Klar, dass sich Individualisten ihren Urlaub anders vorstellen. Für echte Liebhaber jedoch und davon gibt es reichlich ist das vitale Treiben an diesem ein unverzichtbarer Teil ihres Lebens. Viele kommen Jahr für Jahr, legen sich in die Sonne, hüpfen in die Wellen oder freuen sich auf ihr Gelato, das ihnen hier so gut schmeckt wie sonst nirgends auf der Welt.
Rund um Caorle
Auch wenn sich die Mehrzahl der Touristen in Seebädern wie Bibione, Caorle oder Jesolo dem Strandvergnügen hingibt: Die Adria hat weit mehr zu bieten als Entspannung unterm Sonnenschirm. Gerade die Provinz Venetien lebt von ihrer - hier lohnt es sich besonders, Land und Leute genauer unter die Lupe zu nehmen. Unbedingt einen Tagesausflug wert ist beispielsweise die »Laguna di Caorle«, die Schilf- und Wasserlandschaft zwischen den Mündungen von Tagliamento und Livenza. Die Fischerhäuser der Lagune mit ihren tiefen, schilfgedeckten Dächern (»casoni« genannt), die sich heute vielfach in restauriertem Zustand präsentieren, sind charakteristisch für die Gegend und wirklich pitoresk.
Die Stadt der Städte

Ein Muss für alle, die an der Adria Ferien machen, ist natürlich Venedig. Die Lagunenstadt gehört zum Schönsten, was diese Welt zu bieten hat und kann von beinahe allen Adria-Seebädern aus bequem mit Bus und Fähre erreicht werden. Am Lido wartet dann das Wassertaxi (»Vaporetto«), das Sie direkt zum Markusplatz bringt. Hier umschwärmen Sie zwar Touristenmassen und Heerscharen von Tauben, aber Sie haben zugleich ein paar der Höhepunkte Venedigs direkt vor Augen: den mit den schönsten und teuersten Cafés der Märchenstadt und den Campanile, den man per pedes oder Lift erklimmen kann und der mit die schönste Aussicht auf die Umgebung bietet. Um die legendäre Rialto-Brücke über den Canal Grande zu finden, brauchen Sie nur dem Menschenstrom zu folgen.
Die kleine Schwester

Vergleichsweise entspannt geht es in Chioggia zu. Die »kleine Schwester Venedigs« in der südlichsten Ecke der Lagune ist ebenfalls von venezianischer Architektur geprägt, kommt jedoch wesentlich bescheidener daher. Die Stadt am Wasser hat rund 54.000 Einwohner und sehr viel Charme - vor allem deshalb, weil das Leben hier noch nicht gänzlich vom Tourismus bestimmt wird. Einst besaß Chioggia eine riesige Handels- und Kriegsflotte, heute versorgt ihre Fischereiflotte die obere Adria und Norditalien täglich mit - aus freiem Fang wie auch aus ihren zahlreichen Fisch- und Muschelzuchtanlagen.
Ravenna und die Römer

Weiter südlich wartet mit Ravenna ein weiteres Ziel für einen erlebnisreichen Ausflug. In der Antike ein bedeutender Hafen direkt am Meer, liegt die 140.000-Einwohner-Stadt heute etwa zehn Kilometer landeinwärts im Hinterland und knapp 20 Kilometer entfernt von Milano Marittima. Wer sie auslässt, verpasst einige der herrlichsten Kunstdenkmäler, die Italien zu bieten hat.
Italien für Insider
Sich im Gastland ein wenig anzupassen, empfiehlt sich immer. Zu wissen, was nicht gut ankommt, genauso.
Fünf Tabus im Land des Limoncello:
1. Platznehmen ohne Aufforderung
Wenn Sie ein Restaurant oder eine Pizzeria betreten, sollten Sie nicht einfach auf einen Tisch zusteuern. In der Regel weist Ihnen der Kellner einen Tisch zu, wobei Sie selbstverständlich auch Wünsche anmelden können, wo Sie gerne sitzen möchten.
2. Bestellen, ohne vorher den Preis zu erfragen
Das gilt vor allem im Restaurant: Wenn der Kellner die Spezialitäten des Tages vorträgt, fragen Sie besser nach dem Preis. Denn: Fisch (und manchmal auch Fleisch) wird oftmals nach Gewicht berechnet, das heißt pro 100 g (un etto). Das führt leicht zu Missverständnissen. Auch der Cappuccino auf dem Markusplatz kann gewaltig ins Geld gehen. Also: Erst den Preis klären, dann bestellen!
3. Quittungen wegwerfen
In Italien muss man sich für sämtliche Dienstleistungen (auch in der Bar oder im Restaurant) eine Quittung mit Ausweis der Mehrwertsteuer geben lassen - und aufbewahren, um sie bei Kontrollen durch die Steuerbehörde vorweisen zu können.
4. Markenfälschungen kaufen
Eine Prada- oder Louis-Vuitton-Tasche für 20 Euro? Die kann nur gefälscht sein. Verzichten Sie lieber: Wenn Sie beim Kauf von Immitaten erwischt werden, kann Sie das ein Bußgeld bis zu 10.000 Euro kosten.
5. Liegestühle am Hotelpool blockieren
Damit macht man sich so richtig unbeliebt: Stundenlang einen Liegestuhl am Pool mit einem Handtuch zu belegen, gilt in Italien als typisch deutsche Unart. Tun Sie es nicht!
Tipp : Prego oder per favore?
Auch wenn jeder Zweite diese Wendung gebraucht: »Prego« für »bitte« sagt nicht der Gast, der einen Wunsch äußert, sondern der Kellner, wenn er diesen erfüllt. Also: Wenn sie einen Cappuccino bestellen, sagen Sie richtig: »Un cappuccino, per favore«. Bringt der Kellner den Kaffee und stellt ihn vor Ihnen auf den Tisch, so sagt er: »Prego« im Sinne von »bitteschön«.
Das Buch fürs Bagno
Amüsant und unterhaltsam: »Amore, amore!« ist ein Muss für alle Italienliebhaber und ideal für die Mußestunden unterm Sonnenschirm. Und natürlich geht es um die Liebe: Die charmante Halbitalienerin Valeria hat jahrelang in Deutschland gelebt und kehrt nun nach Neapel zurück, um für eine deutsche Frauenzeitschrift zu recherchieren: Was hat es mit dem Land der Liebe auf sich? Sind italienische Männer wirklich die besseren Verführer oder doch nur langweilige »Mammoni«, Muttersöhnchen? Und warum ist Capri noch immer die perfekte Kulisse für einen romantischen Heiratsantrag? Valeria sucht nach Antworten, die sie auch findet ... »Amore, amore! Liebe auf Italienisch« von Maria Carmen Morese, Ullstein Taschenbuchverlag, 336 Seiten, 8,95 Euro
Tipp: Shopping für Schnäppchenjäger
Outlets und Fabrikverkäufe gibt es in Italien im ganzen Land - auch auf dem Weg zur Adria.
